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Österreichisches Papiermachermuseum

Schautafeln in der Haupthalle des Österreichischen Papiermachermuseums.

Das Österreichische Papiermachermuseum ist das grösste seiner Art in Europa und beeindruckt durch die authentische Einbettung in ein ehemaliges Papier-Produktionsgebäude. Die Präsentation wurde im Rahmen der Landesaustellung 2008 völlig neu gestaltet und eine moderne, erlebnisorientierte Ausstellung geschaffen, die alle Sinne anspricht.

Für dieses Ziel waren die Anforderungen an die akustische Gestaltung hoch: Die verschiedenen Themenbereiche sollten durch Klanginstallationen Lebendigkeit erhalten, der Gesamtablauf akustisch abwechslungsreich und "geordnet" sein (ohne Klangbrei) und in der gigantischen Halle, die bisher akustisch ungreifbar war, transparente, orientierungsfördernde akustische Verhältnisse geschaffen werden. Gleichzeitig erforderte die enorme Grösse der zu gestaltenden Räume ein ökonomisches Vorgehen.

In diesem Sinne entwickelten wir das akustische Gesamtkonzept der Ausstellung. Auf der architektonischen Ebene wurde jedes ohnehin notwendige bauliche Element genützt, um gute raumakustische Bedingungen zu schaffen – sowohl für die Konzentration am jeweiligen Ort als auch in Bezug auf einen spannenden Ablauf. Die Klanginstallationen gestalteten wir grossteils als mehrkanalige Lautsprecher-Projektionen. Zusammen mit der Raumakustik erzeugen sie eine Gesamtwirkung und wurden von uns in Hinblick darauf produziert und auf die Räume fein-abgestimmt.

Durch die synergetische Nutzung der verschiedenen akustischen Gestaltungsebenen gelang es, mit vergleichsweise wenig Aufwand eine eckten Lautsprechern, die präzise mit der Raumakustik zusammenspielen, erzeugt den Eindruck, in die Tiefe und Weite eines grossen lebendigen Grünraums zu horchen.

Österreichisches Papiermachermuseum

Eingang in die Ausstellung des Österreichischen Papiermachermuseums. Im Hintergrund das summende Wespennest, ein Natur-Vorbild für die Papierproduktion.

Jedes neue architektonische Element wurde genützt, um in der grossen alten Fabrikshalle gute akustische Bedingungen zu schaffen. Zum Beispiel die Schautafeln, die dafür schräg angeordnet wurden. Die Nahbereiche sind dadurch akustisch abwechslungsreich und fördern die Konzentration auf einzelne Abschnitte. Unterschiedliche Erlebnisbereiche, besonders solche mit Ton, können genützt werden, ohne sich gegenseitig zu stören. Gleichzeitig bleibt das beeindruckende Volumen der Halle immer spürbar.

Österreichisches Papiermachermuseum

Deckenstruktur in einem Nebenraum der Haupthalle.

Die Deckenstrukturierung aus Holzflächen erinnert an das historische "Trockenhängen" von Papieren. Die spezielle Gestaltung dieser Decke entwickelten wir, um den offenen, früher hallig-zugigen Bereich zu stimmen, dem Ort ein Gefühl von Halt sowie gute Sprachverständlichkeit zu geben und damit gute Bedingungen für Führungen zu schaffen.

Österreichisches Papiermachermuseum

Erlebnisbereich Die Traun, mit Blick auf ein historisches Holzfloss im Hintergrund.

Durch die Feinabstimmung des Zusammenspiels von Objekten, Klang und Raum wird die Ausstellung lebendig.

In der kühlen Raumakustik dieses Flurs wurde ein lebendiger Bach inszeniert. Museumsbesucher waten den "Bach" entlang und gelangen in einen Raum, der akustisch gefüllt ist mit tosendem Wasser. Auf einem schaukelnden Holzfloss, zusammen mit der grossformatigen Projektion eines historischen Films, kann hier das gefährliche Unterfangen des Holztransports auf reissenden Flüssen mit allen Sinnen erlebt werden.

Österreichisches Papiermachermuseum

Papierproduktion anno dazumal: Der laute Raum mit dicken Papierwalzen.

Der laute Raum macht die Arbeitsbedingungen in den Papierfabriken der Vergangenheit nachvollziehbar: heiss, dunkel und ohrenbetäubend laut. Mit entsprechender Ausstattung machten wir den kleinen Raum akustisch "unsichtbar" und erzeugten mit einem dröhnenden, vibrierenden Metallboden die Illusion einer grossen, lärmigen Halle. Obwohl die Eingänge des Raums nur durch Industrievorhänge geschlossen sind, dringt nichts vom Lärm in die Halle hinaus.

Österreichisches Papiermachermuseum

Der Wald im Goldrahmen als Zeichen einer nachhaltigen Papierindustrie.

Als Symbol für das Versprechen der heutigen Papierindustrie, die Umwelt zu achten und zu schützen, schufen wir ein opulent goldgerahmtes, dreidimensionales Riesenbild eines gesunden Walds. Besucher sind eingeladen, hier Rast zu machen und den Klängen der Natur und ihrer Bewohner zu lauschen. Die realistische Wiedergabe aus 48 versteckten Lautsprechern, die präzise mit der Raumakustik zusammenspielen, erzeugt den Eindruck, in die Tiefe und Weite eines grossen lebendigen Grünraums zu horchen.

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